Be- und Entlastungen für Arbeitnehmer

Neues in der Sozialversicherung ab 2017

Dieses Mal war der Gesetzgeber bei den gesetzlichen Sozialversicherungen besonders fleißig. Viel hat sich besonders in der Renten– und Pflegeversicherung geändert. Doch auch in der gesetzlichen Krankenversicherung hat sich einiges getan – zum Vorteil der Versicherten. Ein Überblick über Be- und Entlastungen für Arbeitnehmer im Jahr 2017.

Geld
22.12.2016
  • Von: Rolf Winkel und Hans Nakielski
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1) Sozialversicherungsbeiträge und Steuer:

Unterm Strich gibt’s zum Jahreswechsel für Arbeitnehmer meist ein kleines Plus

Die Beiträge zu den Sozialversicherungen steigen für Arbeitnehmer 2017 im Schnitt um insgesamt 0,1 Prozentpunkte. Dafür sinkt die Steuerbelastung etwas. Unterm Strich kommt meist ein kleines Plus beim „Netto“ heraus.

Wie sich der Nettolohn zum Jahreswechsel 2016/17 entwickelt

Bruttolohn

Nettolohn (€)

2016

2017

2.000,00

1.379,20

1.383,36

3.000,00

1.916,08

1.921,88

4.000,00

2.412,18

2.420,40

5.000,00

2.911,45

2.917,05

6.000,00

3.388,33

3.396,66

Annahmen: Steuerklasse I/IV, keine Kirchensteuer, gesetzlich kranken- und rentenversichert, 1,1% Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung

Was zahlen Arbeitnehmer 2017 in die Sozialkassen ein?

Arbeitnehmer mit Kind müssen 2017 im Schnitt insgesamt 20,525 Prozent ihres Bruttogehalts an die Sozialversicherung zahlen. 2016 waren es im Schnitt 0,1 Prozent weniger. Das macht bei einem Bruttogehalt 3.000 Euro eine Zusatzbelastung von drei Euro im Monat aus.

Wie kommen die 0,1 Prozentpunkte zustande?

Allein durch die Beitragssteigerung bei der Pflegeversicherung, die dazu dient die große Pflegereform von 2017 zu finanzieren.

Die Beiträge in den einzelnen Zweigen der Sozialversicherung gestalten sich so:

  • Bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung bleiben die Beitragssätze unverändert. Hier zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte der Beitragssätze von 18,7 bzw. 3,0 Prozent.
  • Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung steigt für Versicherte mit Kind um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent. Er wird zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen. Für Kinderlose kommt – wie bisher–- ein Zuschlag von 0,25 Prozentpunkten hinzu, den allein die Versicherten (und nicht die Arbeitgeber) aufbringen müssen. In Sachsen gilt abweichend von dem sonst paritätisch finanzierten Beitragssatz ein Arbeitnehmeranteil von 1,775% und ein Arbeitgeberanteil von 0,775%.
  • Der allgemeine Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleibt mit 14,6 Prozent unverändert. Davon tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber je die Hälfte. Daneben wird ein Zusatzbeitrag erhoben, der je nach Krankenkasse unterschiedlich ausfällt. 2017 wird dieser im Schnitt aller Kassen zunächst weiterhin rund 1,1 Prozent betragen. Einzelne Kassen verlangen aber deutlich mehr, andere weniger.

Eine Übersicht über die Zusatzbeiträge der einzelnen Kassen gibt es unter https://www.gkv-spitzenverband.de/service/versicherten_service/krankenkassenliste/krankenkassen.jsp?pageNo=6

Wichtig: Steigt der Zusatzbeitrag einer Krankenkasse, so gilt ein Sonderkündigungsrecht.

Was ändert sich für Besserverdienende?

Sie müssen künftig etwas mehr in die Sozialkassen einzahlen, weil die Beitragsbemessungsgrenzen in allen Versicherungszweigen steigen. Deshalb sind jetzt höhere Einkünfte beitragspflichtig.

Die Beitragsbemessungsgrenze in der Renten- und Arbeitslosenversicherung stieg 2017 im Osten Deutschlands um 300 auf 5.700 Euro und in Westen um 150 auf 6.350 Euro. Bei der Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen in diesem Jahr Gutverdiener Beiträge maximal auf Basis von 4.350 Euro im Monat (Vorjahr: 4237,50 Euro). Hier gibt es keinen Unterschied zwischen den alten und neuen Bundesländern.

Die Beitragsbelastung eines relativ gut verdienenden Westdeutschen ohne Kinder mit einem Arbeitseinkommen ab 6.350 Euro brutto steigt damit um 31,51 Euro pro Monat gegenüber dem Vorjahr.

Monatliche Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung ab dem 1. Januar 2017

                                                           2017                                2016

                                                   Alte BL    Neue BL      Alte BL    Neue BL

Monatliche Beitragsbemessungsgrenze

Allgemeine Rentenversicherung    6.350,00   5.700,00       6.200,00   5.400,00

Knappschaftl. Rentenversicherung 7.850,00   7.000,00       7.650,00   6.650,00

Arbeitslosenversicherung              6.350,00   5.700,00       6.200,00   5.400,00

Kranken- und Pflegeversicherung  4.350,00   4.350,00       4.237,50   4.237,50

Ab welchem Einkommen müssen sich Arbeitnehmer 2017 nicht mehr gesetzlich krankenversichern?

Die Versicherungspflichtgrenze in der GKV liegt 2017 bei einem Monatseinkommen von 4.800,00 (2016: 4.687,50) Euro. Wer brutto mehr verdient, ist versicherungsfrei und kann sich zwischen einer freiwilligen gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung (PKV) entscheiden. Umgekehrt gilt: Ein privat Versicherter, der durch die Anhebung der Versicherungspflichtgrenze oder – beispielsweise – nach einer Arbeitszeitverkürzung wieder in die Versicherungspflicht „rutscht“, darf wieder zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Das geht vielfach auch, in dem Teile des Arbeitseinkommens in ein Lebensarbeitszeitkonto eingestellt werden und damit für die Zukunft „gebunkert“ werden. Ab 55 funktioniert das jedoch meist nicht mehr. Doch gerade im Alter winken in der PKV horrende Beiträge. Deshalb rächt es sich oft im Alter, wenn man in jüngeren Jahren die GKV verlassen hat.

Übrigens: Für diejenigen, die schon Ende 2002 privat versichert waren, ist die Versicherungspflichtgrenze niedriger. Sie liegt 2017 bei 4.350,00 Euro im Monat.

Was vom Brutto als Netto herauskommt, hängt auch von der Steuer ab. Was tut sich da 2017?

Die geringe Mehrbelastung bei den Sozialversicherungsbeiträgen wird durch die steuerliche Entlastung mehr als kompensiert. Unterm Strich steigt deshalb das Nettoeinkommen von Arbeitnehmern, die monatlich zwischen 2.000 und 6.000 Euro verdienen, im Schnitt um etwa vier bis acht Euro an (bei Steuerklasse I bzw. IV).

Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. So gelten auch 2017 verbesserte Regelungen zur steuerlichen Absetzbarkeit von Rentenversicherungsbeiträgen. Weiterhin steigt der steuerfreie Grundfreibetrag erneut: von 8.652 auf 8.820 Euro. Zugleich sollen die 2017 und 2018 Tarifeckwerte des Einkommensteuertarifs angepasst werden. Der Steuertarif wird – wenn man sich ein Koordinatensystem vorstellt – sozusagen „nach rechts“ verschoben. 2017 um 0,73 Prozent und 2018 nochmals um 1,65 Prozent. Hierdurch  soll die so genannte  "kalte Progression" ausgeglichen werden. Der progressive – also mit zunehmendem Bruttoeinkommen immer mehr ansteigende – Steuertarif würde ansonsten dazu führen, dass Lohnsteigerungen in Verbindung mit der Inflation teilweise durch eine höhere Besteuerung „aufgefressen“ werden.

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