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28.03.2019

Report

NEUE UNTERSUCHUNG BELEGT FÜR DIE MITBESTIMMUNG: Deutschland stimmt uns zu!

HAMBURG/DUISBURG-ESSEN // Mitbestimmung schätzen die meisten Deutschen als sehr positiv ein. Wenn es um die Beteiligungsrechte von Beschäftigten geht, tun sich allerdings große Wissenslücken auf. Das zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte repräsentative Befragung, die ein Forscherteam um Werner Nienhüser von der Universität Duisburg-Essen ausgewertet hat.

Die Analyse der Wissenschaftler zeigt, dass die Idee der Mitbestimmung zwar insgesamt breite Zustimmung findet, aber gleichzeitig viele nicht genau wissen, was konkret damit gemeint ist.

Beispielsweise gibt nur rund ein Drittel der Befragten an, dass sie gut darüber Bescheid wissen, was ein Betriebsrat macht. Gut 40 Prozent der aktuell oder früher Erwerbstätigen sagen, sie hätten im Betrieb noch nie oder selten davon gehört – was damit zu tun haben könnte, dass die Mehrheit der mehr als 3.000 Befragten in Unternehmen arbeitet, in denen Mitbestimmung nicht etabliert ist.

Besonders überrascht hat die Forscher, wie wenig junge Menschen über die Idee der Mitbestimmung und ihre Institutionen wissen. Sie assoziieren Mitbestimmung fast gar nicht mit Betrieb und Unternehmen, sondern allenfalls mit Demokratie in einem allgemeineren Sinne. Zum einen liege das daran, dass den Jüngeren praktische Erfahrungen und persönliche Betroffenheit fehlen.

Zum anderen komme Mitbestimmung in der schulischen und hochschulischen Bildung sowie in der Berufsausbildung zu kurz.

„Die Mehrheit der Bevölkerung, dafür sprechen unsere Befunde sehr deutlich, hat bereits eine positive Einstellung zur Mitbestimmung in einem generellen Sinne“, schreiben die Wissenschaftler. Der Begriff Mitbestimmung könne – ähnlich wie etwa Demokratie oder Gerechtigkeit – als ein „Hochwertwort“ verstanden werden, als ein Begriff, bei dem sich positive Assoziationen geradezu von selbst aufdrängen. Was allerdings fehlt, sei das Wissen: über konkrete Mitbestimmungsrechte, ihre alltägliche Praxis und ihre Folgen sowie darüber, was Mitbestimmung für die Erreichung der gemeinsamen und der eigenen Interessen bedeutet.

Wie lässt sich das Wissen verbessern? Eine naheliegende Voraussetzung dafür ist, dass überhaupt mehr Menschen an ihrem Arbeitsplatz mitbestimmen dürfen. Durch die praktische Erfahrung mit Mitbestimmung würde sich auch das Wissen darüber erweitern.

Denkbar seien außerdem Aufklärungskampagnen in den Medien: „Warum nicht Werbespots für Mitbestimmung im Kino, TV beziehungsweise im Internet?“, fragen die Forscher. Damit die Mitbestimmung ein „konstitutives Element des deutschen Modells der Arbeitsbeziehungen“ bleibt, müsse sie nicht nur rechtlich abgesichert, sondern auch „gelebt“ werden. Dies geschehe nicht zuletzt durch aktive Beteiligung, aber auch in der Kommunikation mit Freunden, Kollegen, Nachbarn, Mitschülern und Mitstudierenden.

Zu den aufschlussreichen Resultaten kamen die Wissenschaftler so: Es wurden nicht nur konkrete Fragen gestellt, sondern auch solche, bei denen die Befragten zu bestimmten Begriffen – Mitbestimmung, Mitbestimmung der Arbeitnehmer, Betriebsrat – ohne Antwortvorgaben assoziieren konnten. Zusätzlich führten die Forscher 41 ausführliche Interviews durch, um speziell die Einstellungen von jüngeren Menschen genauer erfassen zu können.

IG BCE-Bezirksleiter Jan Koltze ist von der Untersuchung begeistert: „Mit diesen Argumenten können Betriebsräte und Vertrauensleute noch besser in die betriebliche Arbeit gehen, und zwar stolz! Die Rückendeckung für unser Anliegen ist enorm, vor allem auch die Wertschätzung des Begriffs `Mitbestimmung`.“

Betriebsratsarbeit: Ältere wissen mehr darüber als Jüngere – „Nachholbedarf“

Natürlich ist noch viel zu tun, besonders bei den Jüngeren, fügt Koltze hinzu: Das zeige sich auch besonders für das Wissen um die Betriebsratsarbeit: Bei Personen über 65 Jahre kennen sich 47 % gut damit aus, von 51 bis 65 Jahre sind es 42,1 %, bei 41 bis 50 sind es 43,5 %. Bei den Personen zwischen 40 und 30 Jahren sind es aber nur noch rund ein Drittel. Ein Viertel der 21- bis 25-Jährigen sagt von sich, über den Betriebsrat Bescheid zu wissen, aber bis den 15- bis 20-Jährigen sind es nur noch 12,8 Prozent. Koltze: „Das ist ein Alarmzeichen und bedeutet Nachholbedarf – nicht nur für uns, sondern auch für die Schulen!“