URL dieser Seite: https://hamburg-harburg.igbce.de/-/WoI

02.08.2019

Report Juli 2019

HINTERGRÜNDE ZUR CHEMIE-TARIFRUNDE 2019. AUF DER AGENDA: ZEIT IST DAS NEUE GELD

Hannover // „Zeit ist das neue Geld!“ Wenn die Bundestarifkommission der Empfehlung des Vorstands zustimmt, wird die IG BCE damit – neben Entgelterhöhungen – in die Ende September startenden regionalen Chemietarifrunden gehen. Die Arbeitgeber sehen das völlig anders.

„Die Forderung nach mehr Zeitsouveränität steht an der Spitze der Prioritätenliste“, sagt Ralf Sikorski, der für Tarifpolitik zuständige stellvertretende IG BCE-Vorsitzende, „denn die Diskussionen in den Betrieben zeigten, dass viele Beschäftigte flexible Arbeitszeiten wollen, die zu ihren Bedürfnissen passten und die gleichzeitig für Arbeitsentlastung sorgten. Es geht um Zeit für Kindererziehung, für Notfälle wie Pflege der Angehörigen, für Freunde, für Leben. Und es geht auch darum, dass Beschäftigte langfristig über mehrere Jahre planen können“, sagt er.

Die Arbeitgeberseite hat das auf der einen Seite verstanden. „Die Arbeitszeitpolitik ist auf die tarifpolitische Agenda zurückgekehrt“, heißt es in einer neuen Analyse des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). „Auf der einen Seite streben Arbeitnehmer mehr Zeitsouveränität an, auf der anderen Seite müssen Unternehmen immer flexibler auf Kundenanforderungen reagieren“, schreibt IW-Tarifexperte Hagen Lesch.

Doch die Arbeitgeber haben ein anderes Resultat von Tarifverhandlungen im Sinn, sagt der Hauptgeschäftsführer des Chemiearbeitgeberverbands BAVC, Klaus-Peter Stiller: „Dabei geht es um mehr Freiheit bei der Lage der Arbeitszeit, nicht um mehr Freizeit.“

Was wir wollen: die Empfehlung des IG BCE-Vorstands – es geht auch ums Geld!

- Die Schaffung eines tariflich abgesicherten, persönlichen Zukunftskontos in Höhe von jährlich 1.000 Euro, über das jeder Beschäftigte individuell verfügen kann. Dieses Konto kann zum Beispiel zur Umwandlung in zusätzliche freie Tage oder zum Ansparen auf einem Langzeitkonto genutzt werden – etwa, um in bestimmten Lebensphasen eine längere Auszeit nehmen zu können. Denkbar ist auch die Nutzung des Betrags zur Altersvorsorge oder die direkte Auszahlung. Der Betrag ist tarifdynamisch zu gestalten. Wir wollen die Option „Geld in Zeit“ mit einer maximalen Entscheidungsfreiheit für den Einzelnen verbinden.

- Aber es geht auch um eine reale Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen. Die Beschäftigten verdienen ein spürbares Plus. Denn Auslastung, Beschäftigungs- und Auftragslage liegen trotz konjunktureller Eintrübung weiterhin auf hohem Niveau.

- Die Einführung der bundesweit ersten tariflichen Pflegezusatzversicherung, die bei Eintritt des Pflegefalls die Finanzierungslücke zur gesetzlichen Vorsorge schließt. In einer älter werdenden Gesellschaft steigt von Jahr zu Jahr das Pflegerisiko – und die Ungewissheit, ob man sich die Unterstützung im Fall der Fälle überhaupt leisten kann. Diese tarifpolitische Innovation soll unser Sicherheitsversprechen an die Beschäftigten sein.

- Eine Qualifizierungsoffensive zur Begleitung des digitalen Wandels. Dabei sollen Betriebsräten und Vertrauensleuten besondere Kompetenzen zukommen, damit passgenaue, praxisgerechte Weiterbildungskonzepte entwickelt werden können.