Report

Eine prall gefüllte VL-Tagung

Vertreterinnen und Vertreter von 36 Vertrauensleutekörpern nahmen
an der mit Themen und Informationen prall gefüllten Vertrauensleutekonferenz
2018 teil. Prominentester Gast im frisch restaurierten Musiksaal des Hamburger
Besenbinderhofes war IG BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis.

IG BCE

VL-Konferenz 2018
26.02.2018
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Die Kolleginnen und Kollegen sowie die Referenten und Gäste wurden von Rajko Pientka begrüßt. „Vor euch liegt ein anspruchsvoller Tag“, kündigte er an.
Vassiliadis sagte in seiner offensiv-nachdenklichen Rede, die IG BCE sei stolz darauf, dass 91 % der Betriebsratsvorsitzenden von der IG BCE gestellt würden. „Aber bleibt das so?“, fragte er. „Die Beschäftigten ändern ihre Einstellung und wir müssen uns darauf einstellen, auch, um zu verhindern, dass die Organisationsfähigkeit unter Druck gerät“, fuhr er fort.
Er kündigte in seiner Rede an, die IG BCE wolle die Vertrauensleute besser in den Betrieben verankern, auch im Hinblick auf den aktuellen Wandel in der Arbeitswelt. Dabei solle die Digitalisierung genutzt werden, um neue Beschäftigtengruppen zum einen an die IG BCE zu binden, zum anderen, um sie für eine Mitarbeit in der IG BCE zu gewinnen. Er kündigte einen eigenen Kongress zu diesem Thema an: „Wir werden Ressourcen auf die Vertrauensleutearbeit konzentrieren, da wird der Hauptvorstand eine Unterstützungsleistung erbringen.“
Einen besonderen Fokus legte Vassiliadis auf eine verbesserte Kommunikation. Vertrauensleute müssen „wissen, was los ist“. Er sei sich nicht sicher, ob es in jedem Betrieb gelänge, über die bisherigen Ketten der Organisationsebenen „die Meinung der Mitgliedschaft nach oben zu bringen“. Dazu bedürfe es der systematischen Reflexion. In einer eigenen Befragung solle ermittelt werden, „wo sind wir nicht so klar, wo sind wir unscharf“. Das sei „zwar ein mühsames Geschäft“, es müsse jedoch erledigt werden.

Die Themen der Gäste

Drei Fachleute reicherten die VL-Tagung mitihren Beiträgen zu verschiedenen Bereichen an. Wir geben ihre wesentlichen Inhalte wieder.
Dr. Sarah Nies, Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München:
Jüngere Beschäftigte sind nicht mehr einfach ansprechbar für gewerkschaftliche Themen. Sie haben neue Normalitätsvorstellungenund nehmen Verhältnisse
eher so hin, wie sie sind und verlassen sich auf ihre Anpassungsfähigkeit.
Anstatt sich innerbetrieblich mit schwierigen Verhältnissen auseinanderzusetzen, haben sie „individuelle Exit-Strategien“ und sind sich unsicher, was sie einfordern dürfen – anstatt offen aufzubegehren. Sie riet zu „Anknüpfungspunkten im Nahbereich“, um Sachzwänge zu erzeugen.


Dr. Katja Borgnäs, Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE:
Es gibt keine eindeutigen Erkenntnisse, was die Digitalisierung für die Arbeitsplätze bedeutet. Zwar seien vor allem Dienstleistungs- und Fertigungsberufe betroffen, jedoch werde auch neue Beschäftigung entstehen. Höhere Produktivität werde für mehr Kaufkraft und diese wiederum für mehr Beschäftigung sorgen. Für die gewerkschaftliche Arbeit komme es darauf an, bei der Digitalisierung auch für die Qualifizierung und Weiterbildung der Beschäftigten zu sorgen. Auf Augenhöhe mit dem Management – und immer alle Beteiligten in die Prozesse einzubinden.


Dr. Knut Tullius, Soziologisches Forschungsinstitut, Universität Göttingen:
Verstärkte und beschleunigte Trends sind Standardisierung, höhere Flexibilität, Verdichtung und Prekarisierung (stetige Zunahme der Zahl von Arbeitsplätzen
mit zu geringer Einkommenssicherheit).
Zwischen der Kapital- und der Gewerkschaftsseite werde es mehr „umkämpftes Terrain“ bei den Macht- und Interessensfragen geben. Er prognostizierte steigende Qualitätsanforderungen an haupt- und ehrenamtliche Gewerkschafter.

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