Stade

Dow Stade: Auf dem Weg zum Industriepark? Interview mit Stefan Soltmann

Hannover/Stade // Erst im vergangenen Jahr haben Dow Chemical und DuPont zum weltgrößten Chemiekonzern fusioniert. Wie schon seit Längerem geplant, will sich Dow DuPont in drei einzelne, jeweils börsennotierte Unternehmen aufteilen. Bis Mitte 2019 soll die Trennung vollzogen sein. Über die aktuelle Situation bei Dow Stade sprachen wir mit Stefan Soltmann, Gewerkschaftssekretär, Leiter der Abteilung Mitbestimmung in der IG BCE-Hauptverwaltung und Mitglied im Aufsichtsrat der Dow Olefinverbund GmbH.

G. Legros

Stefan Soltmann, Abteilungsleiter Mitbestimmung

Wie beurteilst du die interne Informationspolitik des Unternehmens?

Wie oft in solchen Situationen würden wir uns natürlich eine frühzeitige und klare Informationspolitik wünschen. Gerade in Bezug auf künftige gesellschaftsrechtliche Strukturen, die wesentliche Auswirkungen auf Mitbestimmungsfragen haben und damit für die Beschäftigten und uns eine wichtige Rolle spielen.

Allerdings ist uns natürlich auch bewusst, dass auch die Standortvertreter von DOW in Deutschland nicht in alle Kommunikations- und Entscheidungsprozesse eingebunden sind und oftmals auch nicht über belastbare Informationen verfügen, weil die Entwicklungen – positiv formuliert – eher dynamisch sind. Als IG BCE und Betriebsräte unterlassen wir es aber nicht nachzufragen und alles daranzusetzen, frühzeitig Informationen zu bekommen.                

Was bedeutet eine Abspaltung für Arbeitsplätze und -bedingungen?

Erst einmal ist anzumerken, dass sowohl DOW als auch DuPont vor der Fusion eigenständige und profitable Unternehmen bzw. Konzerne waren. Die jetzige Fusion ist in erster Linie Anleger- und Fonds-getrieben und hat natürlich die Zielsetzung, die Rendite zu erhöhen.

Die Renditeerhöhung kann zum einen durch Umsatzzuwachs erzielt werden, aber wird auf der anderen Seite natürlich immer auch durch Kostenreduzierungen umgesetzt und das hat Auswirkungen auf die Beschäftigung. Von daher werden wir – wie auch in der Vergangenheit – künftig mit weiteren Konsolidierungsrunden rechnen müssen. Was uns hoffnungsfroh stimmt, ist, dass die Markt- und Umsatzsituation für alle Geschäftsbereiche positiv ist und dass vor diesem Hintergrund auch Beschäftigung wieder aufgebaut werden kann. Dafür setzen wir uns ein, genauso wie für starke Mitbestimmungsstrukturen und Tarifverbindung, wenn möglich.

Welche Möglichkeiten der Einflussnahme bestehen?

Die wesentlichen Entscheidungen werden zentral in Midland getroffen, sodass zentrale Unternehmensentscheidungen oftmals bereits getroffen sind. Entscheidend ist jedoch, welchen Handlungsspielraum haben wir national oder europäisch gerade in Bezug auf Mitbestimmungsstrukturen etc., und da ist nach wie vor die beste Strategie, gemeinsam mit dem nationalen Management nach Lösungen im Sinne des Unternehmens, aber auch im Sinne der Beschäftigten zu suchen.

Heißt das: Aus DOW Stade wird langfristig eine Art Industriepark?

Durch zahlreiche Ausgliederungen hat es schon den Charakter eines Industrieparks. Das ist eine Beobachtung, die wir nicht nur in Stade, sondern natürlich an anderen Standorten auch feststellen können. Grundsätzlich ist eine solche Entwicklung ja auch nicht per se schlecht, aber nur dann, wenn eine Beschäftigung abgebaut wird und keine betriebsratslosen Betriebe entstehen und solche Strukturen, die Tarifbindung weiter aushöhlen. Für uns als IG BCE bedeuten solche Industriepark-ähnlichen Strukturen natürlich auch den Anspruch, die Betriebsratsgremien am Standort zusammenzubringen, weil das eine grundlegende Voraussetzung dafür ist, gute Arbeitsbedingungen am Standort zu erhalten.

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