Flüchtlinge

"Keine Sonderbehandlung auf dem Arbeitsmarkt"

Rund 250.000 Flüchtlinge kommen im nächsten Jahr auf den Arbeitsmarkt. Angesichts von mehr als 42 Millionen Beschäftigter sei dies zu bewältigen, sagte Detlef Scheele, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit vor dem Beirat der IG BCE am Dienstag (10. November) in Köln. Vor Privilegien für Flüchtlingen müssten sich Langzeitarbeitslose nicht fürchten, "es wird keine Sonderbehandlung bei der Integration in den Arbeitsmarkt geben", betonte Scheele.

Markus Feger

Detlef Scheele, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit

"Das wichtigste für die Integration ist die Sprache", sagte Scheele. Es sei daher positiv, dass Flüchtlinge mit einer guten Bleibeperspektive seit dem 1. November ab dem ersten Tag in der Erstaufnahmeeinrichtung einen Intergrationkurs besuchen können. "900 freiwillige Eintritte in Sprachkurse haben wir innerhalb von zehn Tagen verzeichnet." Das zeige, wie groß das großes Interesse der Menschen am Erlernen der Sprache sei. Für 2016 rechnet Scheele mit etwa 300.000 Teilnehmern.

Welche berufliche Qualifikation der Einzelne mitbringe, sei im Moment noch nicht feststellbar. Untersuchungen gehen, laut Detlef Scheele, davon aus, dass etwa 30 Prozent eine formale Qualifikation wie einen Berufs- oder Studienabschluss mitbringen. Etwa 70 Prozent hätten demnach keine formale Qualifikation. "Dabei muss man jedoch berücksichtigen, dass viele aus Ländern kommen, in denen es gar keine Berufsausbildung wie in Deutschland gibt", betonte Scheele. Daher müssen vielmehr die Fähigkeiten und Kompetenzen der Menschen abgefragt werden. 

"Für alle gilt das Gleiche"

Einer angeblichen Sonderbehandlung von Flüchtlingen bei der Integration in den Arbeitsmarkt widersprach Detlef Scheele. "Flüchtlinge werden nicht privilegiert behandelt, es gilt für alle das Gleiche." So werde es auch keine besonderen Programme oder Instrumente geben.

Auch einen Wettbewerb von Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen gäbe es derzeit nicht. "Gegenwärtig muss sich keiner davor fürchten, dass Flüchtlinge mit Langzeitarbeitslosen um Jobs im NIedriglohnsektor konkurrieren - denn bisher sprechen die Flüchtlinge kein Deutsch", sagte Scheele. Um eine mögliche Konkurrenz für die Zukunft zu vermeiden, müssen die überwiegend jungen und meist hochmotivierten Menschen qualifiziert werden. Unter anderem dafür werden bei der Bundesagentur für Arbeit im kommenden Jahr 2800 zusätzliche Stellen geschaffen.



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