44. Recklinghäuser Tagung

„Sie gehören zu uns!“

Es war eine Rede mit Überlänge, aber auch eine Rede in aller Deutlichkeit, die der nordrhein-westfälische Minister für Arbeit, Integration und Soziales, Kollege Guntram Schneider, als Hauptredner der 44. Recklinghäuser Tagung hielt: „Migranten sind keine Minderheit, die man „betütteln“ muss, sie sind eine ernstzunehmende Größe – sie gehören zu uns!“ Gerade in einem Bundesland wie NRW, wo der Anteil der Unter-25-jährigen mit einem sogenannten Migrationshintergrund bei knapp 50 Prozent liege. „Kulturelle Andersartigkeit ist eine Bereicherung für uns“, unterstrich der Minister. Ein Appell für eine stärkere Willkommenskultur, ein Plädoyer für mehr politische Teilhabe – ganz im Sinne der Tagung.

Foto: Frank Rogner

„Anerkennen statt Ausgrenzen“ war das Motto der migrationspolitischen Veranstaltung der IG BCE, die traditionell am ersten Dezembersamstag im Festspielhaus zu Recklinghausen stattfindet und zu der auch dieses Jahr am Nikolaustag wieder rund 300 interessierte Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter den Weg gefunden hatten.

Begrüßt wurden die Mitglieder von der stellvertretenden Vorsitzenden der IG BCE, Edeltraud Glänzer. Auch sie betonte, dass man die Kenntnisse anderer Kulturen und somit die interkulturelle Kompetenz stärken müsse, um diskriminierende Strukturen zu beseitigen. Die Gewerkschaften seien in Bezug auf die Arbeitswelt Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung: „Wir reden nicht, wir handeln – und das nicht seit gestern!“ Sozialpartner- und Betriebsvereinbarungen zum partnerschaftlichen Verhalten am Arbeitsplatz seien nur zwei von vielen gewerkschaftlichen Maßnahmen. „Wir Gewerkschaften engagieren uns für Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit – und diese Werte gelten für alle“, mahnte Glänzer.

Ein besonderes Anliegen war es der stellvertretender Vorsitzenden, auf die Situation der Flüchtlinge einzugehen, die auf Grund von Krieg, Verfolgung und Vertreibung in Deutschland Asyl suchten. Sie verwies dabei auf die kürzlich vom IG-BCE-Beirat verabschiedete Resolution, in der sich die IG BCE für eine gerechtere Flüchtlingspolitik ausspricht. In Bezug auf Misshandlungen in Flüchtlingsunterkünften, wie in Burbach geschehen, betonte Glänzer: „Dass Menschen, die Schutz suchen, misshandelt werden, dürfen wir nicht zulassen!“. Hier gehe es um elementare Werte der Gewerkschaften. Die Politik müsse für ausreichend Platz und eine gute Betreuung sorgen, forderte die stellvertretende Vorsitzende.

Ein Grußwort überbrachte auch der neugewählte Bürgermeister der Stadt Recklinghausen, Christian Tesche. Beim Anblick des vollen Plenarsaales wurde ihm Eines bewusst: „Wenn ich sehe, wie sich die IG BCE gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzt, war es richtig, Mitglied zu werden.“ Denn Gesetze könnten nur der Anfang sein, letztendlich müsse Integration gelebt werden.

In einem Fachvortrag stellte Ulrike Rudolphi, von der Chemie-Stiftung Sozialpartner Akademie (CSSA), die Ergebnisse eine Befragung der Chemie-Unternehmen zum Thema der interkulturellen Vielfalt vor. Die Studie benennt schon existierende gute Ansätze des Diversity-Managements, zeigt aber auch, wo die Probleme und Herausforderungen des interkulturellen Miteinanders in den Chemie-Betrieben liegen. 

Im Anschluss an die Reden konnten sich die IG-BCE-Mitglieder selbst in drei verschiedenen Foren austauschen. Politische Teilhabe, die Öffnung von Strukturen für Migranten und die Verhinderung von Diskriminierung waren die Themenblöcke, zu denen diskutiert wurde. Zum Abschluss wurde es noch einmal emotional: Denn es war die letzte Tagung unter hauptamtlicher Leitung des für Migration zuständigen Abteilungsleiters der IG BCE, Giovanni Pollice. Mit Danksagungen, musikalischer Einlage und „Standing Ovation“ wurde sein langjähriges Engagement für Integration und Teilhabe und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gewürdigt.

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