IG BCE-Betriebsrätenetzwerk Pharma- und Gesundheitsindustrie

Pharmaindustrie noch ungenügend vorbereitet auf den demografischen Wandel

Die Folgen des demografischen Wandels in Deutschland sind seit Jahren ein Topthema für zukunftsgerichtete Unternehmenspolitik. Leider haben das bisher zu wenig Arbeitgeber verstanden. So werden auch in der Pharmaindustrie bisher zu wenig Lösungen für die Herausforderungen von alternden Belegschaften umgesetzt. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass es sogar zu Rückschritten kommt.

Foto: IG BCE Hamburg-Harburg

Dies ist das Ergebnis des norddeutschen IG BCE-Betriebsrätenetzwerks der Pharma- und Gesundheitsindustrie am 04.02.2015. Die Betriebsräte aus Unternehmen mit insgesamt mehr als 4.000 Beschäftigten sehen insbesondere folgende Probleme, die von Seiten der Arbeitgeber unterschätzt werden bzw. schneller angegangen werden müssten:

  • Den gesundheitlichen Belastungen für Beschäftigte in Schichtarbeit wird immer noch zu wenig Berücksichtigung geschenkt. Die Gefahr eines erhöhten Krankenstandes bis zu langfristigen, irreversiblen Gesundheitsschäden wird weiter in Kauf genommen. Das geschieht, wenn die Arbeitsbedingungen nicht gesundheitsfördernder gestaltet werden und die Schichtarbeitnehmer/-innen nicht die Möglichkeit bekommen im Alter die Schichtzeitbelastungen zu reduzieren.
  • Die Anzahl der Ausbildungsplätze ist in der norddeutschen Pharmaindustrie viel zu niedrig, um die notwendigen Facharbeiterzahlen zu generieren. Zusätzlich werden gut ausgebildeten, jungen Menschen nach Ausbildungsabschluss keine vernünftige Perspektive durch eine unbefristete Übernahme gegeben. Sie wandern daher in andere Branchen mit besseren Arbeitsbedingungen ab.
  • Die Möglichkeit der Befristung von Arbeitsverträgen wird ohne nachvollziehbare Sachbegründung inflationär genutzt. Damit wird die Attraktivität der norddeutschen Pharmaindustrie als interessanter Arbeitgeber unnötig gefährdet. Daher gilt es eine deutliche Reduzierung von Befristungen vorzunehmen.
  • Die Kenntnisse der Betriebsräte und der Beschäftigten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und damit der Erhöhung von Motivation und Effizienz werden viel zu wenig genutzt. Innovative Formen der Mitarbeiterbeteiligung und der Mitbestimmung bei Entscheidungen bleiben ungenutzt. Somit werden wichtige Verbesserungsvorschläge zur Standortsicherung nicht berücksichtigt.

So ist es auch absolut unverständlich, warum die Arbeitgeber der Chemieindustrie, zu denen die Pharmaindustrie gehört, den Tarifvertrag Demografie in der laufenden Tarifrunde nicht mehr verlängern wollen. Anscheinend sind sie sich der Vorteile dessen nicht mehr bewusst.

In diesem Sinne müssen viele Arbeitgeber der norddeutschen Pharmaindustrie schnellst möglichst ein Verständnis dafür entwickeln, dass der Pharmastandort Deutschland entscheidend von der Qualität der Arbeitsplätze und deren Arbeitsbedingungen abhängt.

 Aus diesem Grunde fordert das norddeutsche IG BCE-Betriebsrätenetzwerk der Pharma- und Gesundheitsindustrie ihre Arbeitgeber auf endlich zukunftsverträglich für ihre Unternehmen und den Pharmastandort Deutschland zu handeln.

Zudem fordern sie den Pharmadialog der Bundesregierung auf, sich auch mit den entscheidenden Fragen der Arbeitsplatzbedingungen für einen starken und attraktiven Pharmastandort Deutschland zu beschäftigen und positive Handlungsmöglichkeiten vorzuschlagen. 

Hamburg und Kaltenkirchen am 04.02.2015

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